Der größte Irrtum im Scheidungsverfahren

Christine Meyer-Degering - Fachanwältin für Familienrecht

Der gemeinsame Rechtsanwalt

Häufig melden sich bei uns in Trennung lebende Eheleute mit dem Wunsch, sich im anstehenden Scheidungsverfahren gemeinsam von uns vertreten zu lassen. Wir müssen sie dann darüber aufklären, dass uns dies leider nicht möglich ist.

Dies hat folgenden Grund:

Einem Rechtsanwalt ist es untersagt, in derselben Angelegenheit Parteien mit widerstreitenden Interessen zu vertreten. § 356 StGB stellt diesen sogenannten Parteiverrat für den Rechtsanwalt sogar unter Strafe. Dabei reicht schon die bloße Möglichkeit gegenläufiger Interessen aus.

Wir freuen uns immer, wenn Eheleute sämtliche Folgeangelegenheiten einer Trennung einvernehmlich regeln können und daher weitere Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit dem Scheidungsverfahren vermeidbar sind. Dennoch ist es nicht auszuschließen, vielmehr sogar recht wahrscheinlich, dass die Interessen beider Eheleute deutlich auseinandergehen können. Manchmal zeigt sich dies erst, nachdem die Eheleute sich mit dem Wunsch, es möge der Scheidungsantrag eingereicht werden, erstmals an einen Rechtsanwalt wenden

Herrscht Einigkeit?

Sind beide Eheleute sich tatsächlich in allen Fragestellungen einig, reicht es allerdings aus, dass sich nur der Ehegatte im Scheidungsverfahren anwaltlich vertreten lässt, der den Scheidungsantrag stellt. Der andere Ehegatte kann dem Scheidungsantrag dann auch ohne anwaltliche Vertretung zustimmen. Nur dann, wenn auch der andere Ehegatte Anträge in dem Scheidungsverfahren stellen möchte, muss dieser ebenfalls anwaltlich vertreten werden.

Sofern Einigkeit in allen Punkten besteht, besteht auch die Möglichkeit, dass die Ehegatten einen gemeinsamen Termin bei uns wahrnehmen. Zuvor sollte aber feststehen, welcher Ehegatte durch uns vertreten werden möchte.

Sicher ist sicher.

Darüber hinaus raten wir jedem Mandanten, sich ohne Anwesenheit des anderen Ehegatten von uns über die Trennungs- und Scheidungsfolgen beraten zu lassen. Nur wer seine Rechtsposition kennt, kann ernsthaft darüber entscheiden, ob er möglicherweise auf einzelne Rechte verzichten möchte.

Die Verfasserin:

Christine Meyer-Degering

Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht sowie Familienrecht
E-Mail: c.meyer-degering(at)smd-p.de
Telefon: 0531 4 80 91 – 35